Ukraine

Mit Ihren ca. 47 Mio. Einwohnern spielt die ukrainische Wirtschaft in Europa bisher eine eher unbedeutende Rolle. Nach unterschiedlichen Angaben erwirtschaftet die Industrie ca. 30-45% des BIP wobei davon 2/3 auf das verarbeitende Gewerbe mit den wichtigsten Branchen Metallurgie, Metallverarbeitung, Nahrungsmittelproduktion und Maschinenbau entfallen. Ebenfalls stark entwickelt ist die chemische Industrie. Eine weitere wichtige Ressource der Ukraine ist fruchtbares Ackerland; die Böden der Ukraine gehören zu den ertragreichsten der Welt. Zu Zeiten der UdSSR wurde ca. ein Viertel der landwirtschaftlichen Produkte in der Ukraine hergestellt.


Die Ukraine bietet Böden, die sowohl zum Anbau von Getreide als auch von Obst und Wein geeignet sind. Obwohl die Landwirtschaft in der heutigen Wirtschaft eine eher untergeordnete Rolle spielt, sollte man dieses Potenzial nicht unterschätzen. Die Ukraine war aufgrund der fruchtbaren Schwarzerdeböden die Kornkammer der Sowjetunion; die Landwirtschaft erwirtschaftet noch immer etwa 18% des BIP und besitzt aufgrund der natürlichen Gunsträume erhebliches Potenzial. Der Handel, das Transport- und Kommunikationswesen sind (etwa 6% des BIP) ebenfalls stark vertreten.




Seit der Konsolidierung der Wirtschaft im Jahr 1999 hat die ukrainische Wirtschaft einen Wachstumskurs erzielt, der beinahe auf chinesischem Niveau ablief. Zwischen 1999 bis zum Jahr 2004 stieg das BIP um 49%, was einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 8,3% entspricht. Das Boomjahr schlechthin war 2004, als das BIP um 12,1% zulegte, was auf ein besonders günstiges Umfeld zurückzuführen war: Die Hauptexportgüter (v. a. Metalle) erzielten Rekordpreise, die meisten Absatzmärkte legtenkräftig zu, und zum anderen gab es durch die gestiegenen heimischen Realeinkommen eine starke Binnennachfrage. Ein weiterer Konjunkturtreiber ist die Bauwirtschaft, insbesondere getragen durch den privaten Hausbau, der vorwiegend durch die Überweisungen von Auslandsukrainern (ca. 4 Mio. in Westeuropa, ca. 3 Mio. in Russland) geleistet wird.49 Im Jahr 2005 kühlte sich das Wachstum dramatisch auf 2,1% ab, nach BA-CA Prognosen dürften lediglich ca. 3-4% in den nächsten beiden Jahren zu erwarten sein.


Als Branchen, die weiteren Ausbau versprechen, gelten der Schwarzmeertourismus, Schiffsbau, die Software- Entwicklung und Kooperationen in Luft- und Raumfahrtindustrie.
Die Ukraine ist eine relativ offene Volkswirtschaft, deren Außenhandel durch die oben beschriebene Wirtschaftsstruktur bestimmt ist. Die ukrainische Exportwirtschaft profitierte in den letzten beiden Jahren vor allem von den hohen Preisen und der weltweiten Nachfrage nach Metallen und Energieträgern, welche einen Gutteil der Exporte darstellen (alleine 40% entfallen auf Metalle und Metallprodukte). Weitere Exportprodukte sind Maschinen, Transportmittel und Chemieprodukte, die hauptsächlich in Russland ihren Absatz finden. Bei den Importen dominieren Öl und Gas mit 30%. Die Gebühren für den Energietransit durch das Land machen ca. 1/10 des BIP aus.

Von den Handelspartnern spielt Russland noch die dominierende Rolle vor allem bei den Importen, die wiederum die hohe Energieabhängigkeit des Landes widerspiegeln. Während die Leistungsbilanz im Jahr 2004 noch einen erheblichen Überschuss von 6,8 Mrd. UDS (=10, 4% des BIP) aufwies, ist in den nächsten Jahren mit einem Nachlassen der Exportdynamik zu rechnen. Gründe dafür sind die Abkühlung der globalen und russischen Konjunktur, die Erstarkung der ukrainischen Währung (Hrywnja), die Einfuhrerleichterungen sowie die steigenden Energiekosten. Die drastische Erhöhung der Energiepreise wird die ukrainische Wirtschaft empfindlich treffen.

Markt- und Wettbewerbssituation
Die aktuelle Marktsituation in den EU-Mitgliedsländern ist gekennzeichnet durch einen enormen Kostendruck auf die Produzenten und einen zunehmend starken Wettbewerb. Seit der politischen und wirtschaftlichen Öffnung der osteuropäischen Staaten bietet sich vielen westeuropäischen Unternehmen die Möglichkeit, durch Produktionsverlagerungen in diese Länder ihre Kosten zu senken und den Ertrag gleichzeitig zu erhöhen. Während jedoch viele westeuropäische Unternehmen in den neuen osteuropäischen EU-Beitrittsländern aktiv wurden, blieben Firmenengagements in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion eher selten. Der Ukraine ist es gelungen, einzelne Elemente einer freien Markt- und Wettbewerbsordnung einzuführen. Dazu zählen beispielsweise die Freigabe der Verbraucherpreise 1994, sowie die Freigabe der meisten anderen Preise mit Ausnahme von Schlüsselbereichen, wie den Energiepreisen sowie der Subventionierung von Mieten. Trotz wichtiger Reformfortschritte in den letzten Jahren, wie etwa der Einführung der neuen Bodengesetzgebung und der Bankengesetzgebung, fehlen nach wie vor wichtige Institutionen für eine reibungslos funktionierende Marktwirtschaft. Die Lobbygruppen der Schwer- und Grundstoffindustrie haben immer noch großen Einfluss auf den ukrainischen Markt und die Wirtschaftsordnung des Landes und sind weitaus weniger als die sich neu etablierende Schicht kleiner- und mittelständischer Unternehmer an marktwirtschaftlichen Mechanismen interessiert. Trotz einzelner Fortschritte bei der Privatisierung der Großindustrie, wie etwa der Privatisierung von sechs regionalen Elektrizitätsverteilern (Oblenergos), verlief die Privatisierung nur schleppend. Es fehlte an in- und ausländischen Investoren. Darüber hinaus wird die Privatisierung durch die regionalen Clans, die geschlossene Strukturen bilden, behindert.

Vorteile der Ukraine
● Investitionsbereitschaft europäischer Großkonzerne in die Ukraine
● gutes Invest-Klima
● Arbeitszeitflexibilität
● neuer Kundenkreis: 47,5 Mio. potenzielle Konsumenten
● Rohstoffe, Holz- und Möbelindustrie ist sehr im Trend
● geringe Lohnkosten
● geringe Baukosten

Nachteile der Ukraine
● geringe wirtschaftliche Vorteile, da die Geschäftsabwicklung sich im Vergleich zu Österreich mühsamer
gestaltet (geringere Effizienz),
● Nähe zum westlichen Kunden fehlt – Lösungsansatz wäre ein HUB in Wien
● lange Zollstandzeit
● lange Grenzaufenthalte.

Schwerpunkte die in der nächsten Zeit zu Trends werden können
● Verstärkung der Industrie durch Investitionen
● Anstieg der Kaufkraft
● Aufbau von Logistiknetzwerken mit westlicher Prägung
● Konsumgüterlogistik
● Rückgang der Schattenwirtschaft
● steigende Bedeutung der Lohnveredelung
● steigende FDIs

Inwieweit die Neuwahlen im kommenden Jahr Änderungen mit sich bringen, bleibt abzuwarten.